Rückblick
Wir haben am 6. Februar neutral über die neuen Regelungen des 60m-Bandes berichtet: unter anderem muss im Kanalbetrieb gearbeitet werden und es sind nur USB, CW, PSK31 und PACTOR III zulässig.
Weshalb betrifft uns das?
Da das 60m-Band in der Region 1 nicht zur Verfügung steht, könnte man diese Nachricht ignorieren, aber unter der Oberfläche birgt die Regelung Zündstoff. Eine öffentliche Diskussion der Problematik drängt sich auf.
Problematik
Grundsätzlich ist es immer positiv zu werten, wenn die Amateurfunkgemeinde neue Frequenzen zugeteilt erhält, aber die vorgeschlagene Einteilung der Betriebsarten birgt eine Gefahr für die Offenheit des Amateurfunks.
PACTOR III
Es ist unbestritten, dass PACTOR III eine effiziente und professionelle Betriebsart darstellt und dass sie für viele Funkamateure eine zuverlässige Möglichkeit bietet, weltweit Zugriff auf e-mails zu haben. Dabei ist es unerheblich, ob man sich auf hoher See, im Outback oder in den Anden befindet.
Es ist aber auch unbestritten, dass es sich bei PACTOR III (und dem Nachfolger PACTOR 4) um eine kommerzielle und proprietäre Lösung handelt, die nicht allen Funkamateuren offen steht. Möchte man PACTOR III mitlesen oder in dieser Betriebsart kommunizieren, benötigt man ein Modem der Firma SCS (z.B. das PTC IIex Pactor 3 ready für 770 EUR). Die Firma SCS Special Communications Systems GmbH & Co. KG verfügt alleine über die Herstellungsrechte, deshalb kommt man an ihr nicht vorbei.
Parallelen zu D-STAR
Dasselbe gilt auch für Technologien wie D-STAR, aber neu ist im vorliegenden Fall, dass im 60m-Band Frequenzen explizit für PSK31 und PACTOR III reserviert werden.
Geschlossene Gesellschaft
Das ist an sich schon eine heikle Sache, denn grundsätzlich dürfen wir auf unseren Bändern nur unverschlüsselt und offen kommunizieren. Da ist eine herstellerabhängige Übertragungsart, die nicht offen gelegt wird, im Prinzip systemwidrig. Wenn man solchen Betriebsarten auf einem Band, dass nur über 5 Kanäle verfügt, explizit die Erlaubnis gibt, darüber zu kommunizieren und gleichzeitig offene Varianten ausschliesst, dann ist das umsomehr ein Problem.
Man kann jetzt argumentieren, dass ja auch PSK31 zulässig ist – aber diese Sichtweise greift zu kurz: PSK31 ist zwar allgemein zugänglich, aber es ist nur eine einzige eines ganzen Blumenstrausses an schmalbandigen Betriebsarten.
Alternativen in der Datenübertragung am Beispiel von PSKmail
Neben zahlreichen digitalen Übertragungsarten wie verschiedenen PSK-Varianten, AMTOR, JT65, OLIVIA oder auch älteren Varianten wie RTTY, Feld-HELL etc. gibt es auch Komplettsysteme, die einem PACTOR-System ebenbürtig (oder z.B. durch Twitter-Integration sogar überlegen) sind.
Als Beispiel sei hier PSKmail erwähnt, eine Lösung, die auch von Intermar e.V. unterstützt wird.
PSKmail ist offen, d.h. wer über die nötigen Fähigkeiten verfügt, kann mithelfen, das System weiter zu entwickeln. PSKmail läuft unter anderem unter Windows, Linux, OS X, BSD und auf Android Mobiltelefonen.
PSKmail ist ein System, das es ermöglicht, Internetdienste wie e-mail und Webzugriff unabhängig von der vorhandenen Infrastruktur nutzbar zu machen. Ein Segelboot mitten auf dem Ozean kann e-mails senden und empfangen, Wetternachrichten herunterladen und Kurznachrichten bzw. die eigene Schiffsposition über das APRS System verschicken. Freunde und Verwandte können so in Verbindung bleiben und die Bewegungen des Schiffs auf einem graphischen Bildschirm verfolgen; Sekunden nachdem die Position vom Schiff verschickt wurde. PSKmail kann auch in abgelegenen Gebieten und/oder überall wo solche gerade nicht vorhanden sind, Internetdienste zur Verfügung stellen. Sie möchten vielleicht Internetzugriff am Nordpol? Kein Problem – PSKmail macht’s möglich.
Die im Einsatz stehenden Server sind unabhängig und fallen nicht aus, selbst wenn ein zentrales System unerreichbar sein sollte. Ist ein Server ausser Betrieb oder unerreichbar, kann man irgend einen anderen benutzen.
Übertragungsarten von PSKmail
PSKmail arbeitet im Moment mit unter anderem mit folgenden Betriebsarten:
PSK500, PSK500R, PSK250R, PSKR125, MFSK32, MFSK16, THOR22
Schlussfolgerung
Aus dieser Sicht wäre es besser gewesen, die Bandbreite zu reglementieren als spezifisch PSK31 und PACTOR III zuzulassen.
Die Gründe sind uns nicht bekannt und es ist auch möglich, dass diese Regelung in Zukunft angepasst wird. Mit der Zulassung von PACTOR III, unter dem gleichzeitigen Ausschluss von anderen, schmalbandigeren, effizienteren und offen zugänglichen Betriebsarten, hat eine Entwicklung stattgefunden, die kritisch beobachtet werden muss.
Es geht uns überhaupt nich darum gegen PACTOR zu schreiben, im Gegenteil, wir finden PACTOR interessant und freuen uns, wenn es sich weiter entwickelt. Made in Germany vom Besten.
Beim vorliegenden Artikel geht es vielmehr darum, eine Lanze für die Open Source Projekte zu brechen und diese keinesfalls aus Bandplänen auszuschliessen, denn sie sind die eigentliche Grundlage des Amateurfunks.
Diskussion eröffnet
Etwas provokativ kann man den Gedanken auch auf den Strassenverkehr übertragen:
Wie würden wir reagieren, wenn auf einer unserer Autobahnen eine Spur für eine bestimmte Fahrzeugmarke reserviert würde …
Dieses Thema bietet sicher Stoff für Diskussionen – machen Sie mit!
News, Anmerkungen, Fragen?
Alle diese Betriebsarten, die einen Zugriff auf das Internet ermöglichen, sind vor allem praktisch für Segler, die nicht über die notwendigen Mittel verfügen, diesen Dienst über kommerziellen Satellitenfunk zu betreiben. Viele Hochseesegler legen denn auch nur aus diesem Grund eine Amateurfunkprüfung ab. So wird in Seglerforen u.a. diskutiert, in welchem Land die Amateurfunklizenz am einfachsten zu bekommen ist. Wie viel das noch mit Amateurfunk zu tun hat, wenn ich über Kurzwelle die Börsenkurse abrufe und Emails an meine Verwanden schicke, ist fraglich.
Daher ist es nur logisch, dass dafür Kanäle im 60m Band benutzt werden, da es sich ja zurzeit nicht um ein international anerkanntes Amateurfunkband handelt.
PSK31 ist jedoch ein ganz anderer Schuh und nicht mit Pactor vergleichbar. Heute ist PSK31 die am weitesten verbreitete digitale Betriebsart, wie sich jeder leicht auf den Bändern überzeugen kann. Und das hat seinen guten Grund. PSK31 geht sparsam mit unserer wichtigsten Ressource um: unseren Frequenzen. In einem einzigen SSB-Kanal können gut zwei Dutzend QSO’s gleichzeitig geführt werden, ohne einander zu stören. Und da die Betriebsart so schmalbandig ist, ist das auch mit kleinen Leistungen und bescheidenen Antennen möglich. In unseren übervollen Bändern ist die Frequenzökonomie einer Betriebsart meines Erachtens eines der wichtigsten Kriterien.
Natürlich kann ich mit PSK31 nicht aufs Internet zugreifen. Aber ausser in der namibischen Wüste und am Nordpol steht mir ja dafür in der Regel eine Kabel oder WLAN Verbindung zur Verfügung. Auch auf vielen Campingplätzen.
Kürzlich habe ich darüber mit einem funkenden Mobilhome-Besitzer diskutiert. Sein wichtigstes Argument war: „Internet via Pactor ist gratis.“
73 de Anton, HB9ASB