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Trumps Buchhalter sagt aus

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Es ist bekannt, dass Trump von Freunden und Mitarbeitern unbedingte Loyalität einfordert, ohne selbst loyal zu sein. (Bild: Leah Millis / Reuters)

Allen Weisselberg, der Finanzdirektor der Organisation Trump – der Firma, nicht der politischen Kampagne –, kooperiert laut dem «Wall Street Journal» mit den Justizbehörden in der Affäre um Michael Cohen. Dieser hatte gegenüber der Staatsanwaltschaft zugegeben, sich des Deliktes der Beeinflussung der Präsidentschaftswahl von 2016 schuldig gemacht zu haben.

Zuvor war durchgesickert, dass David Pecker, ein Freund des Präsidenten, sich ebenfalls kooperativ zeige. Weisselberg und Pecker erhielten im Gegenzug zur Bereitschaft, alles offenzulegen, Straffreiheit zugesichert. Beide waren in die Zahlung von Schweigegeld an zwei Frauen, Stormy Daniels und Karen McDougal, verwickelt. Damit trugen sie dazu bei, dass potenziell schädliche Informationen über angebliche Affären von Trump nicht kurz vor der Wahl an die Öffentlichkeit gelangten.

Neue Abklärungen in New York

Es war klar, dass die Staatsanwaltschaft Cohens Geständnis nicht einfach hinnahm, sondern aus anderen Quellen wusste, dass dessen Aussagen zutrafen. Andernfalls hätte sie ihm keine Verminderung seiner drohenden Haftstrafe in Aussicht gestellt. Pecker, Weisselberg und vielleicht noch weitere Personen zählen offensichtlich zu diesen von Cohen unabhängigen Quellen.

Es ist bekannt, dass Trump von Freunden und Mitarbeitern unbedingte Loyalität einfordert, ohne selbst loyal zu sein. In einem Interview erklärte der Präsident sogar einmal, es sollte illegal sein, gegen Straferlass oder -ermässigung mit den Anklagebehörden zu kooperieren und «Lügen aufzutischen», wie er es nannte. Weisselberg hatte schon für den Vater von Donald Trump, den Gründer des Immobilienkonzerns Trump, gearbeitet. Es gibt kaum jemanden ausserhalb des Familienkreises, der die Geschäfte und vielleicht sogar die Person des Chefs besser kennt als er.

Kommentar

Nach dem Schuldeingeständnis seines Anwalts Cohen wird es für Präsident Trump ungemütlich

Werner J. Marti 22.8.2018, 11:42

Den Präsidenten ereilten am Freitag weitere schlechte Nachrichten. Die «New York Times» machte publik, dass die Justizbehörden des Gliedstaates New York das Finanzgebaren der Organisation Trump auf allfällige Gesetzesverletzungen hin überprüfen. Was die Beeinflussung der Präsidentschaftswahl betrifft, liegt der Fall Cohen bei den Bundesbehörden. Anlass für eine Anklage auf gliedstaatlicher Ebene könnte hier eine nicht korrekte Verbuchung der Zahlungen sein, mit denen das Schweigen von Daniels und McDougal erkauft worden war. Cohen hatte das Geld vorgeschossen, Trump zahlte es ihm in Raten zurück, angeblich aus eigener Kasse, nicht jener der Firma Trump.

«Los, Jeff, du kannst das!»

Falls Weisselberg nur zum Fall Cohen aussagt, droht dem Präsidenten kaum zusätzliches Ungemach. Doch vielleicht ist Weisselberg bereit, anderweitig zu kooperieren, falls er dazu gedrängt würde oder einen persönlichen Vorteil darin sähe. Darüber hinaus ist Donald Trump offensichtlich über die Russland-Untersuchung besorgt.

Anders ist kaum zu erklären, dass er erneut gegen seinen Justizminister, Jeff Sessions, polemisiert. Nachdem dieser erstmals auf einen solchen Angriff reagiert und pikiert seine Unbeeinflussbarkeit statuiert hatte, schlug der Chef zurück und forderte seinen Minister mit spöttischem Unterton dazu auf, endlich seine Arbeit zu tun. Er solle Hillary Clinton, den Ex-Direktor des FBI, James Comey, die angeblichen Interessenkonflikte des Sonderermittlers in der Russland-Untersuchung, Robert Mueller, sowie andere Personen und Angelegenheiten ins Visier nehmen. «Los, Jeff, du kannst das, das Land wartet!» Es klingt, als würde Trump den Austausch seines Justizministers vorbereiten, sind die Zwischenwahlen im November erst vorbei.

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