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Sieben Tipps fürs Zürcher Theater Spektaktel

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Wie fährt man hin? Wo lohnen sich Abstecher? Und wie überbrückt man Wartezeiten? Wir haben die Antworten.

Sehen und gesehen werden: Das Theater Spektakel
ist für Zuschauer und Strassenkünstler ein Eldorado. Bild: Reto Oeschger

Schwimmen

Im Bühnenhaus wars unerträglich heiss, und draussen knallt einen die Sonne ins Koma? Dann rüber auf die Saffa-Insel und rein in den See! Was es dazu braucht: Schwimmzeug und eine Prise Unbekümmertheit – wegen des Umziehens ohne Privatsphäre und der Wertsachen ohne Wächter. Spinde und Garderoben gibts auf dem Eiland nicht. Dafür jede Menge good vibrations bei wunderbar erfrischenden Wogen. Auf gehts, einmal rundherum ums Inselchen (Vorsicht vor den begeisterungsblinden Brüggli-Springern!). Es gilt: ohne richtigen Schwumm auch kein rechtes Theater Spektakel.

Am Crêpes-Stand

Der Rest der Familie schlendert entspannt über die Wiese, derweil Sie mit einer verwirrenden Bestellliste im Kopf in der Schlange vor dem Crêpes-Stand stehen: eine Steilvorlage für wohlig-empörtes Vor-sich-hin-Grollen. Wollte die zweite Tochter jetzt eine Schoggi-Crêpe oder doch lieber Zimt und Zucker? Und wie waren die Getränkewünsche? Wehe, man vertut sich da. Auch stellt sich alle Jahre wieder die Frage, wieso die zwei Backstellen mit den vier Platten über weite Zeitspannen von nur einer Person bewirtschaftet werden – wo die Schlange doch immer länger und unduldsamer wird. Dass die Einzelperson vor einem dann sage und schreibe acht Crêpes in Arbeit gibt, herrjemine . . .

Aber ruhig Blut! Am Spektakel existiert kaum ein besserer Ort für Musse als eben in der Crêpes-Schlange, wo man zum Nichtstun gezwungen ist (Handy aus!). Der Möchtegernmusiker am Wegesrand schrummelt Evergreens, die frei bespielte Zentral-Bühne liegt gut in Sicht, nebenher rauschen anderer Leute Debatten an einem vorbei, von der oberschlauen Konzertkritik bis zur abseitigen Gastro-Metaphysik. Der Hunger verschafft einen Endorphinschub, und es riecht erst noch vielversprechend. So entsteht ein federleichter Teppich zum Abheben: Das Schneckentempo quält kaum, wenn man in Wahrheit fliegt.

Video: Diesen Makel hat das Spektakel

Martin Ebel über von der Werbung abgeschaute Wichtigtuerei. Video: Anthony Ackermann, Marco Pietrocola

Postkarten-Browsen

Sie sind erschöpft nach dem Theatermarathon? Sogar noch erschöpfter, weil Sie viel später als gedachtan der Party landen werden und angestrengt Entschuldigungen wälzen. Und das Mitbringsel? Was in derartigen Momentender Ratlosigkeit genau richtig kommt, ist die Buchhandlung am Eingang des Theater Spektakels. Da wird nicht nur edel Hochkulturiges feilgeboten, das man nach den Kunstherausforderungen gar nicht mal so gut verträgt. Käuflich erwerbbar sind auch jene Postkarten, die eigentlich ganz schlimm sind. Also nicht nur die unterirdisch geschmacklosen mit den taubetropften bunten Blumen, aufschäumenden Wellen oder Katze-küsst-Hund-Kompositionen. Sondern auch die mit literarischen und sonstigen Promis samt flotten Sprüchen. Sowie die mit den flotten Sprüchen ohne Promis; und auch jene ohne fast alles, zum Beispiel mit einer Strasse in Schwarzweiss. In der richtigen Stimmung funktionieren diese Pillepalle-Postkarten als fabelhafte Stimmungsaufheller. Und plötzlich flutschts auch mit den passenden Sätzchen zum verpassten Anlass. Die eine oder andere Karte schleicht sich dann vielleicht sogar ins private Souvenir-Sammelsurium ein, als Andenken an erspriessliches Postkarten-Browsen an einem lauen Spektakel-Abend.

Kinderkarussell

Benötigt wird ein drei- bis sechsjähriges Kind. Und ein stählernes Durchsetzungsvermögen – wegen all der irre durchsetzungsfähigen Zürcher Mütter. Dann steht dem Vergnügen an dem absolut zauberhaften, handangestossenen Drehding, das etwa über Riesenpumps als Riitirössli verfügt und zudem über einen hinreissenden singenden Gitarrenmann, nichts entgegen. Das ist Glück.

Auf Kreuzfahrt

Schöner kommt man nicht hin – und schöner auch nicht zurück. Ein Spektakel-Abend beginnt am besten mit der Passage per Schiff. Die MS Bachtel ist ein Eindecker mit zwei Salons und einem kleinen Aussendeck, gerade richtig für die kurze Fahrt über den See. Der Kurs führt vom Bürkliplatz zur Landiwiese, dann über Tiefenbrunnen wieder zurück. Unter der Woche fährt das Theaterschiff laut Fahrplan von 17 Uhr bis Mitternacht, am Samstag und Sonntag ab 14 Uhr.

Musse für die Betrachtung von Wolken und Wellen: Ein Spektakel-Abend beginnt am besten mit der Fahrt per Schiff vom Bürkliplatz zur Landiwiese. Fotos: Reto Oeschger

Natürlich kommt man auch mit Tram, Bus und Bahn ganz gut auf das Spektakel-Gelände, das ist aber die Prosavariante der Anfahrt: einsteigen, aussteigen, da. Velo ist auch eine Option, verbunden aber im Stossverkehr mit viel Geklingel. Mit dem Schiff ist alles anders, keine Hast, kein Gedränge. Schnell legt sich nach dem Ablegen der Lärm der Stadt, vom Deck aus zeigt sich Zürich als Kulisse. Die Überfahrt dauert nicht lange, sie gibt aber die Zeit für Betrachtungen: von Wolken und Wellen. Natürlich kommt man immer zu früh an. Denn der Fahrplan ist nicht auf die Anfangszeiten der Vorstellungen ausgerichtet.

Vor der Werft

Die Werft ist von der Landiwiese zu Fuss in zehn Minuten zu erreichen, «mit direktem Abgang vom Seeuferweg», wie es in der Wegbeschreibung heisst. Indirekt stellt der Abgang am Abend die Verlängerung der Warteschlange dar, das Publikum steht sich hier manchmal die Beine in den Bauch, wenn sich der Einlass mal wieder verzögert. Egal, Menschen, die hier für eine Vorstellung anstehen, gehören zu den manierlichsten der Theaterwelt, da gibt es kein Gedränge, jeder schaut für den anderen und nimmt ihn auch manchmal unter den Regenschirm, wenn gerade ein Gewitter niedergeht. Der Rückweg von der Werft verläuft dannin der Verzögerungsform, denn meistens bleiben die Theatergänger auf der Terrasse auf dem Seeuferweg noch lange stehen und schauen in die Nacht hinaus. Und scheinen gerade keine Sterne, dann denkt man siesich aus.

Luftmenschen unter uns

Das Spektakel ist das Terrain der Luftmenschen. Sie kommen von der Strasse und zeigen hier ihre Kunst. Manche Artistinnen und Artisten sieht man Jahr für Jahr. Und sieht auch, dass sie mit ihrer Strassenkunst nicht so recht weitergekommen sind. Der Artist auf dem Hochrad fährt eben auch nur im Kreis. Das ist nicht immer grosse Kunst. Aber Strassenkünstler gehören auf der Landi-wiese nun einmal zum Bild, wie auch die Henna-Tätowierer, die Wahrsagerinnen, die Reflexzonen-Masseurinnen, die Ballon-Tierli-Aufblaser oder der Steeldrum-Musiker, der immer «Ave Maria» spielt, als gäbe es kein anderes Stück zu spielen auf dieser Welt. Die Landiwiese ist eben ein Spielplatz für alle. Und manchmal verhalten wir uns dort selber auch wie Kinder.

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