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Rechts und links erteilen «Staatsjägern» eine klare Absage

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Ein Jäger sucht auf dem Hochstand die Umgebung ab. (Bild: Christoph Ruckstuhl / NZZ)

Die heutige Milizjagd im Kanton Zürich soll abgeschafft werden. Der Wildtierbestand müsste sich weitgehend selbst regulieren, Eingriffe wären nur noch staatlich besoldeten Wildhütern gestattet. Diesen radikalen Systemwechsel für das Jagdwesen fordern Tierfreunde und einige ihrer Verbände mit der Anfang 2017 lancierten Volksinitiative «Wildhüter statt Jäger», die in sechs Wochen zur Abstimmung kommt. Wie der Regierungsrat lehnt der Kantonsrat das Begehren ab, und zwar einstimmig.

Deshalb versammeln sich um den Verband Jagd Zürich alle politischen Lager im Nein-Komitee, das die geforderten «Staatsjäger» ablehnt. Für die Gegner hat sich das heutige System bestens bewährt, die Zusammenarbeit mit den Behörden funktioniere einwandfrei. Am Donnerstag traten sie vor den Medien «Scheinargumenten und emotionalen Anschuldigungen» entgegen, wie Verbandspräsident Christian Jaques sagte.

Keine natürliche Regulierung

Ein Jagdverbot und damit ein unkontrolliertes Wachstum des Wildbestandes würde Schäden durch den Verbiss von Jungbäumen im Wald, aber auch in der Landwirtschaft erhöhen, betonte Jaques. Unweigerlich wären auch mehr Kollisionen mit Autos die Folge. Jährlich fallen etwa 1500 bis 1700 Rehe dem Verkehr zum Opfer, die meist von Jägern geborgen werden. 80 bis 90 staatliche Wildhüter könnten die Regulierung nicht so gewährleisten wie die 1300 Jägerinnen und Jäger, sagte Jaques. Dem Kanton würden zusätzliche Kosten von 25 bis 30 Millionen Franken entstehen, heute sei es lediglich etwa eine Million Franken.

Laut dem grünen Kantonsrat Robert Brunner (Steinmaur) funktioniert eine natürliche Regulierung durch Raubtiere im dicht besiedelten Kanton Zürich nicht. Für das Kulturland sieht die Initiative «alle erdenklichen Schutzmassnahmen» vor. Die Folge wäre, dass Bauern immer mehr Weiden und Felder mit mehreren Drähten und unter Strom einzäunen würden, so Brunner. Das schade den Wildtieren, die dann den Wald fast nicht mehr verlassen könnten.

Für FDP-Kantonsrat Martin Farner (Oberstammheim) untergräbt ein Jagdverbot das Milizprinzip und erhöht die Seuchengefahr. SVP-Kantonsrat Stefan Schmid (Niederglatt) hob hervor, dass die Jäger im Jahr etwa 400 000 Stunden Fronarbeit leisteten.

Jagdgesetz bleibt umstritten

Links und rechts sind sich zwar in der Ablehnung der Initiative «Wildhüter statt Jäger» einig, aber nicht in allen Facetten der Jagd. Weil die Menschen heute vermehrt im Wald Erholung suchten, seien die Jäger auf die Bewegungsjagd angewiesen, bei der das Wild aufs Feld getrieben werde. Die SP möchte diese «Treibjagd», wie Kantonsrat Benedikt Gschwind sie nennt, im Jagdgesetz einschränken.

Zur Baujagd nach Füchsen und Dachsen sagte Christian Jaques, diese komme fast nicht mehr vor. Grund sei das geänderte Verhältnis zum Jagdhund, der heute auch für Jäger nicht mehr ein Arbeitsgerät, sondern ein Familienmitglied sei. Ein Verbot der Baujagd im revidierten Jagdgesetz würden die Jäger laut Jaques akzeptieren.

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